Ungarnkapelle und YMCA-Raum

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Die meisten Ungarn haben als Ziel die Auswanderung vor Augen. Trotzdem können sie ihren Aufenthalt auf der Festung nicht als sehr kurzfristig ansehen, denn nachdem sie zunächst einen tragbaren Altar für ihre Gottesdienste benutzen, beginnen sie 1947, sich in der Contregarde rechts eine kleine Kapelle mit steinernem Hochaltar und Empore einzurichten. Im Oktober 1948 wird sie durch den leitenden Seelsorger der Ungarn in der französischen Zone eingesegnet. Auf dem Altarbild wacht Maria, die Schutzpatronin Ungarns, mit Kind über die Stephanskrone, umgeben von Gläubigen in Nationaltracht.

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Nachdem die Ungarn die Festung verlassen haben, nimmt sich die Ehrenbreitsteiner Gemeinde der Kapelle an. Als im Zuge der Einrichtung der Jugendherberge die Festungskirche wiederhergestellt und im August 1952 feierlich eingesegnet wird, überlässt man die Ungarnkapelle der evangelischen Gemeinde.

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Die Wände des sog. „YMCA-Raums“ gleich nebenan sind mit vielen bunten Graffiti geschmückt. An der Stirnwand sind die Initialen „YMCA“ für „Young Men’s Christian Association“ bzw. „YWCA“ für „Young Women’s Christian Association“ (CVJM, Christlicher Verein junger Männer bzw. junger Mädchen) sowie das Emblem angebracht. Auf der Festung gibt es eine YMCA-Jugendgruppe sowie eine Pfadfindergruppe für die zahlreichen Lagerkinder. Im August 1950 berichtet der Lagerarzt, dass der YMCA kostenlose Ferienplätze für Lagerkinder zur Verfügung stellt.

Für die ungarischen Schulkinder findet 1948/49 sogar ein eigener staatlich anerkannter Schulbetrieb statt - ein weiteres Indiz für die Sonderstellung der Ungarn innerhalb des Lagers.