Kunst- und Kulturschutz

Spätestens 1942 sucht man in ganz Deutschland nach Bergungsorten für Kunst- und Kulturgüter wie Bestände von Museen, Kunstsammlungen, Archiven und Bibliotheken. Als besonders sicher vor Luftangriffen wird die Festung Ehrenbreitstein eingeschätzt. Festungsverwalter Peter Baum richtet zahlreiche Räume als Lagerorte her und aus allen Teilen Deutschlands treffen Transporte ein. Auch viele Privatleute nutzen die Festung als Depot für ihre Sammlungen. Einige große Koblenzer Firmen richten Warenlager ein. Die Gauleitung lässt 1944 „lebenswichtige Wirtschaftsgüter“ einlagern.

Seit Januar 1943 ist Dr. Bruno Hirschfeld, der Direktor des Koblenzer Staatsarchivs (heute Landeshauptarchiv), mit dem Luftschutz für die Archive und Bibliotheken der preußischen Rheinprovinz beauftragt. Oft gilt es mit vielerlei Schwierigkeiten und gegen Widerstände zu kämpfen, denn der „totale Krieg“ setzt andere Prioritäten als die Rettung von Kunst- und Archivgut.

Schätzt man die Kasematten der Festung, wegen ihres Schutzes gegen Brandbomben und ihrer guten Belüftungsmöglichkeiten, zunächst als besonders geeignet ein, so zeigt der Treffer einer Sprengbombe am 1. November 1944 in die sog. Lange Linie, dass die alten Mauern den modernen Angriffswaffen nicht standhalten können. Archiv- und Museumsdirektoren schlagen Alarm. Es beginnen hektische Bemühungen, wenigstens die wertvollsten Bestände aus der Festung wegzuschaffen. Während ringsum die Welt in Schutt und Asche versinkt, werden von Dezember 1944 bis März 1945 unter schwierigsten Bedingungen besonders kostbare Güter vor allem in Bergwerksstollen abtransportiert.

Die Rettungsaktion ist noch nicht beendet, als schließlich die Amerikaner in Koblenz einrücken. Die Besatzungsmacht ist über die Bestände auf der Festung gut informiert. Die Festung kommt unter militärische Bewachung und darf nur noch von einigen wenigen Deutschen betreten werden.

Durch die Evakuierung und Plünderungen unter den Besatzungsmächten gingen einige Stücke der Archiv- und Museumsbestände verloren. Die Rückführung der Güter erstreckte sich über einige Jahre, denn viele der Museen beziehungsweise Archive waren im Krieg beschädigt, manche ganz zerstört worden. Außerdem mangelte es an Transportmöglichkeiten. Gerade wenn die Grenzen von Besatzungszonen überquert werden mussten, kamen bürokratische Probleme hinzu. Die ersten Transporte fanden schon im Mai 1945 statt. Als letztes verließen die Bestände der städtischen Kunstsammlung nun umbenannt in Mittelrhein-Museum, die Festung. Diese waren zwischenzeitlich auf der Festung gezeigt worden. 1965 wurden das Museum am Koblenzer Florinsmarkt wiedereröffnet.
Andere Güter blieben auf der Festung, da hier neue Dienststellen eingerichtet wurden, wie 1956 der Landesdienst für Vor- und Frühgeschichte , aus dem später die Staatliche Sammlung für Vorgeschichte und Volkskunde (das heutige Landesmuseum Koblenz) und das Amt für Bodendenkmalpflege (heute Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Abteilung Archäologische Denkmalpflege, Amt Koblenz) hervorgingen.